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GAB Bielefeld

Qualifiziert und engagiert - aber zunehmend arbeitslos. Beschäftigungssituation Schwerbehinderter verbessern!

In Bielefeld steigt die Zahl arbeitsloser Schwerbehinderter trotz guter Qualifikation und guter allgemeiner Arbeitsmarktentwicklung.

Bielefeld braucht eine konzertierte Aktion, damit auch private Arbeitgeber die Chancen für die Beschäftigung schwerbehinderter Fachkräfte erkennen. Ohne deutliche Verbesserung bei der Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen fordert die Freie Wohlfahrtspflege in NRW dazu auf, ernsthaft über die Höhe der „Ausgleichsabgabe“ nachzudenken. Der aktuelle Arbeitslsosenreport der Freien Wohlfahrtspflege belegt die schwierige Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen für NRW - mit detaillierten Zahlen für jeden Jobcenterbereich. Die Situation in Bielefeld haben wir analysiert:

Engagiert, qualifiziert, aber arbeitslos – Freie Wohlfahrtspflege NRW appelliert an die Wirtschaft, mehr Schwerbehinderte einzustellen

Bielefeld, 22.06.2018

Knapp 60 Prozent der rund 47.000 schwerbehinderten Arbeitslosen in NRW sind hochqualifiziert. Die Wirtschaft könnte sie als Fachkräfte einsetzen. Auch in Bielefeld muss die Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen verbessert werden.

Mit dem aktuellen Arbeitslosenreport belegt die Freie Wohlfahrtspflege in NRW, dass arbeitslose Schwerbehinderte nicht im gleichen Maße von der positiven Gesamtentwicklung am Arbeitsmarkt profitieren wie nicht-schwerbehinderte arbeitslose Menschen. Und das, obwohl sie im Schnitt besser qualifiziert sind als Arbeitslose ohne Schwerbehinderung. Gleichzeitig beklagen viele Arbeitgeber, keine qualifizierten Fachkräfte auf dem Bewerbermarkt zu finden. Eine weitere Diskrepanz zeigt sich in der realen Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen vor allem bei privaten Arbeitgebern.

Der aktuelle Arbeitslosenreport zeigt auf, dass die Zahl gesetzlich vorgeschriebener Pflichtarbeitsplätze aufgrund zunehmender sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse stetig anwächst. Denn ab einer Größe von 20 Arbeitsplätzen ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, wenigstens 5 Prozent seiner Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Steigt die Beschäftigtenzahl generell, sind die Betriebe gefordert, weitere Pflichtarbeitsplätze zu besetzen oder aber sich mit der Bezahlung einer „Ausgleichsabgabe“ von dieser Verpflichtung „freizukaufen“. Landesweit betrachtet hat sich der Anteil unbesetzter Pflichtarbeitsplätze bei Arbeitgebern der Privatwirtschaft über die letzten Jahre nicht bedeutend verringert.

Für Bielefeld wird festgestellt, dass trotz einer insgesamt besseren Gesamtentwicklung am Arbeitsmarkt der Anteil der schwerbehinderten Arbeitslosen an allen Arbeitslosen im Vergleich von März 2016 zu März 2018 von 4,5 Prozent auf 6,0 Prozent gestiegen ist. Gleichzeitig sind in Bielefeld im Jahr 2016 bei privatgewerblichen Betrieben über 31 Prozent der Pflichtarbeitsplätze unbesetzt geblieben - und das, obwohl 53,8 Prozent der schwerbehinderten Arbeitslosen in Bielefeld eine berufliche Qualifikation haben.

Sie werden von Seiten der Agentur für Arbeit oder der Jobcenter als Fachkraft, Spezialist oder Experte eingestuft. Von den nicht-schwerbehinderten Arbeitslosen erfüllen nur 44 Prozent in Bielefeld dieses Anforderungsniveau.

„Für unsere Region benötigen wir eine konzertierte Aktion, damit private Arbeitgeber die Chancen für die Beschäftigung schwerbehinderter Fachkräfte erkennen“, so Marcus Stichmann, Geschäftsführer der GAB Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Bielefeld, der in Kooperation mit der Stiftung Solidarität den aktuellen Arbeitslosenreport NRW für Bielefeld ausgewertet hat. „Wir haben doch hier eine klassische Win-Win-Situation – Fachkräfteprobleme bei Arbeitgebern lösen und mehr schwerbehinderten Arbeitslosen eine nachhaltige Beschäftigung und soziale Teilhabe ermöglichen.“

Sollte zukünftig keine deutliche Verbesserung bei der Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen auf Seiten der Arbeitgeber erkennbar sein, fordert die Freie Wohlfahrtspflege in NRW dazu auf, ernsthaft über die Höhe der „Ausgleichsabgabe“ nachzudenken. Mit zusätzlichen Mitteln könnten mehr inklusive Arbeitsplätze zum Beispiel bei Inklusionsbetrieben eingerichtet, aber auch zusätzliche Beratungs- und Coachingangebote für Unternehmen angeboten werden. Sie tragen dazu bei, Vorbehalte und Ängste von Arbeitgebern gegenüber einer Beschäftigung schwerbehinderter arbeitsloser Menschen abzubauen.